Therapie der Dekoerkrankung

Die optimale Therapie der Dekoerkrankung besteht in der möglichst raschen Einleitung einer hyperbaren Sauerstoffbehandlung (HBO) in einem Druckkammerzentrum. Da bis zum Erreichen der nächstgelegenen Druckkammer aber meist eine längere Zeit zu überbrücken ist, sollte der Verunfallte bereits am Unfallort behandelt werden. Diese Therapie besteht in erster Linie in der Gabe von möglichst 100%-igem Sauerstoff, sowie einer Supplementärbehandlung (Lagerung, Flüssigkeitsgabe, evtl. Acetylsalecylsäure). Die früher durchgeführte Rekompressionsbehandlung mit Luft war häufig erfolglos, ja manchmal verschlimmerten sich sogar die Symptome. Ursachen dafür sind:

  • bei 5 bar wird das Blasenvolumen auf 1/5 reduziert, allerdings verringert sich der Durchmesser nur auf 58,5 %
  • in Blutgefäßen sind die Blasen nicht kugelig sondern länglich, d.h. selbst wenn die Blase schrumpft, bleibt das Gefäß verstopft
  • an den Blasen findet eine Blutgerinnung statt; dieses Gerinnsel ist inkomprimierbar
  • durch Erhöhung des Stickstoffpartialdruckes kann Stickstoff in die Blasen diffundieren und diese vergrößern
  • verkleinerte Blasen werden nicht aufgelöst und wachsen wieder mit Beendigung der Rekompression

Auch die früher häufig durchgeführte "nasse Rekompression" ist aus denselben Gründen abzulehnen

Sauerstoff wirkt neben den spezifischen physikalischen Effekten im Hinblick auf die Blasenauflösung noch zusätzlich auf Grund der gesteigerten physikalischen Lösung im Blut sowie wegen des antiödematösen Effektes. Eine Steigerung der chemikalischen Lösung ist nicht mehr möglich, da der Sauerstoffträger Hämoglobin bereits zu 99 % gesättigt ist. Die durch Sauerstoff geförderte Neubildung von Blutgefäßen ist weiterhin dafür verantwortlich, daß auch nach Tagen oder Wochen eine hyperbare Sauerstofftherapie noch eine Verbesserung erzielen kann.

Normobar 100%ig applizierter Sauerstoff kann dagegen bereits vor der HBO die Prognose des Betroffenen deutlich verbessern und sollte demzufolge unmittelbar am Tauchort vorhanden sein und auch eingesetzt werden. Denn nicht selten werden Symptome einer Dekoerkrankung fehlgedeutet oder nicht ernst genommen.

Zusätzliche Behandlung

Neben der obligaten Gabe normobaren Sauerstoffs, sollte man weitere Aspekte beachten:

  • Lagerung
  • Flüssigkeitssubstitution
  • ASS-Gabe

Im Einzelnen : Es empfiehlt sich eine möglichst flache und ruhige Lage des Verunfallten. Unnötige Bewegungen sind zu vermeiden. Ein bewußtseinsklarer Taucher wird flach liegend, ein bewußtloser in stabiler Seitenlage transportiert, Eine Kopftieflage sollte nicht durchgeführt werden, da sie zur Hirndrucksteigerung führt. Beim Abtransport mit dem Hubschrauber sollte ein Flughöhe von 300m nicht überschritten werden.

Bei jedem dekoverunfalltem Taucher besteht ein Flüssigkeitsmangel (Dehydratation). Ursachen dafür sind : Taucherdiurese, trockene Atemluft, verminderte Flüssigkeitsaufnahme vor dem Tauchgang, Aufnahme entwässernder Getränke (Alkohol,Kaffee), evtl. erhöhte Umgebungstemperaturen. Da Dehydratation eine Dekoerkrankung verschlimmern kann, sollte dem verunfallten Taucher 1-2 l nichtalkoholische Getränke zu trinken gegeben werden, falls er bei Bewußtsein ist.

Die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) bei der Dekoerkrankung ist umstritten. ASS ist ein Medikament welches die Verklumpung der Blutplättchen an der Gasblase vermindert, allerdings konnte in klinischen Studien bisher der signifikante Nachweis der Wirksamkeit nicht geführt werden. Bei offentsichtlichen Blutungen ist die ASS-Gabe abzulehnen.