Sekundäres Ertrinken

Bei "beinahe-ertrunkenen" Personen ist insbesondere das "sekundäre Ertrinken" gefürchtet. Dies kann nach der Rettung aus dem Gewässer auch bei völliger Beschwerdefreiheit noch nach einigen Stunden auftreten. Hierbei kommt es zu einer raschen Verschlechterung der Lungenfunktion, die häufig im Lungenversagen endet. Ein tödlicher Ausgang ist dabei nicht selten. Deswegen ist eine intensivmedizinische Überwachung und Behandlung in einem Krankenhaus über 24 h bei JEDEM Beinahe-Ertrunkenen unumgänglich.

Um zu erklären, wie es zu diesem Lungenversagen kommt, sollte der Aufbau der Lungenbläschen (Alveolen) kurz erklärt werden. In diesen Alveolen findet normalerweise der Gasaustausch statt. Deswegen befindet sich nur eine ganz dünne Wand (2µm!) zwischen der Atemluft und dem Blut, welches in den Kapillaren die Alveolen umspült. Damit diese dünnwandigen Alveolen nicht einfach zusammenfallen, sind sie mit einem Stoff (dem sogenannten "Surfactant") ausgekleidet. Dieser Surfactant senkt die Oberflächenspannung, so dass die Lungenbläschen offen bleiben. Ähnliches bewirkt Spülmittel bei der Entstehung von Seifenblasen.

Beim "sekundärem Ertrinken" wird diese Schicht aus Surfactant zerstört (denaturiert). Die Folge ist ein Kollaps der Alveolen, die dann der Atmung nicht mehr zur Verfügung stehen. Zudem kommt es zu einer Schädigung der Grenzschicht zwischen Alveole und Kapillare. Dies führt dazu, dass Gewebsflüssigkeit und Proteine in die Alveolen gelangen, so dass diese Alveolen wieder mit (Gewebs-) flüssigkeit volllaufen. Dies nennt man Lungenödem. Auch dieses Lungenödem ist für die Verschlechterung der Lungenfunktion verantwortlich.